Freitag, 20. November 2009

Triumph

Ich wollte dir noch etwas sagen

Ich wollte dir noch etwas sagen:
Du merktest, dass ich es nicht tat.
Ich wollte, das wir auch in Zukunft
uns so seh'n wie am ersten Tag.

Ich möchte dir aber was geben:
Es ist nur ein Teilchen von mir.
Du kannst damit tun, was du möchtest -
es gehört ja jetzt schließlich Dir.

Du kannst's gerne in Ehren halten,
du kannst es vergessen, verliern;
du kannst immer mal daran denken -
du kannst es auch schlicht ignoriern.

Du merkst: ich will dir etwas sagen,
doch sag ich es trotzdem nicht.
Denn ich, so wir uns noch mal sehen
hab doch noch das gleiche Gesicht.

©thg

Donnerstag, 19. November 2009

FAIL

Erwecke ich den Eindruck, dass ich leicht zu haben bin? Wenn ja: NEIN! Dem ist nicht so. Warum trotzdem immer mal wieder jemand auf den Gedanken kommt, verstehe ich leider nicht.
Gestern zum Beispiel: Ich war mit meinen Eltern und meinen kleinen, zauberhaften Cousinen im Moritzburger Wildgehege. Nachdem ich dort schon einige Male für die Mutter der Kinder gehalten wurde (äh... natürlich. Ich bin die Mutter einer 7- und einer 5jährigen?), war ich ja schon Kummer gewöhnt. Aber das Ganze fand dann wirklich seinen höchst abstrusen Abschluss in einem Moritzburger Eiscafe, in dem wir danach noch zum Kaffeetrinken abstiegen: Der Kellner, gut und gerne jenseits der 40 und mit halblangen, aber schütteren blonden Haaren, hatte wohl ein Problem mit den Augen. Darauf ließen nicht nur Interieur und Porzellan schließen, sondern auch die Art und Weise, in welcher er immer wieder in meine Richtung starrte. Innerlich machte ich mich schon wieder auf Erklärungen bezüglich meiner doch-nicht-Kinder gefasst, aber es kam doch ganz anders. Nachdem er erstmal nur rumschleimte (unglaublich nervig) und Pseudokomplimente der untersten Sorte verteilte ("Einen Kaffee? Na, den verteile ich aber nur an Personen über 18..." GRINS. Sein dummes Grinsen, pardon, hätte ich ihm am liebsten mit meiner flachen Hand quittiert. HÜSTEL. Freundlich war ich zwar nicht zu ihm, aber das schien ihm egal zu sein.) kam der eigentliche Kracher beim Bezahlen. Nachdem mein ohnehin schon sich über die Situation amüsierender Vater das Bezahlen bereitwillig auf sich nahm, kam der Saftjongleur kurzzeitig aus der Fassung, denn nun musste er meinem Vater die offensichtlich für mich präparierte Rechnung hinlegen... Ich hoffe, es war für ihn peinlicher als für mich. Meine Mutter hat die Rechnung mitgenommen, weil sie sich ohnehin schon kaum noch beherrschen konnte vor Lachen, aber das hat sie dann wirklich auch nicht erwartet: Der Typ hatte allen Ernstes seine Telefonnummer auf die Rechnung geschrieben. Ich überlege allen Ernstes, ob mein Vater nicht mal da anrufen möchte: "Sie haben mir da gestern so charmant ihre Telefonnummer aufgeschrieben, da wollte ich mich mal bei Ihnen melden..."

Dienstag, 17. November 2009

Auf die Ohren für lau

Zum morgigen allein-sächsischen Feiertag gibts für alle diejenigen, die frei haben, etwas zum entspannen und für alle diejenigen, die arbeiten müssen, etwas zum Trost: Insound schenkt uns allen Musik. Natürlich gibts da auch noch welche zu kaufen, aber aus purer Freundlichkeit kann man sich aktuell dort gerade 50 Indie-Titel kostenlos runterladen. Da sagen wir doch: Juhu! und: Dankeschön!

Klick mich, ich bin eine vezauberte Jukebox!

(via)

Montag, 16. November 2009

Kriegshandlungen

Da ist so viel drin im Kopf, aber es will einfach nicht raus, es hockt im letzten Hinterstübchen und grübelt, feilscht, pokert und zerrt um jeden Gedanken, aber letztendlich bleibt es noch ein großes Gezerre; nichts passiert. Und vorn? Die Augen, die abwesend in die Gegend starren, weil der Kopf sich nicht mit schauen, sondern mit dem Kampf beschäftigt; der Mund, der ja sagt und sich in den seltenen Pausen des Gezeters selber aufregt, über ganz andere Dinge, die an einer ganz anderen Stelle ausdebattiert werden; die Finger, die mechanisch tun, was sie tun und Abends wehtun, nur richtiges tun wollen tun sie nicht; vielleicht gibts da nichts zu tun weil das Tun, das sie gern tun würden, von den Kriegshandlungen im Kopfe blockiert wird. Da scheint der Wille vorhanden, nur das Denken ist auf die Barrikaden gegangen, oder die Motivation oder das Gefühl oder doch der Wille? Unendliche Schlachten im Bett, wenn die Decke schon schwarz ist und der Schein der roten Zahlen des Weckers einem Sehfähigkeit vorgaukelt... Da scheint es, der Mond durch's Fenster, das Licht, der Irrsinn, das Leuchten im Kämmerchen, der Blitz im Oberstübchen. Und dann ist der schöne Schein weg, erschreckend grausam ziehen sich Fratzen zwischen Wachen und Träumen wie Spinnweben durch die Welten und die Augen wissen nicht mehr, ob sie offen oder geschlossen sind. Da - Schatten? Es greift! Du warst das, du hast das getan, du wirst es immer gewesen sein, du warst, du bist, du wirst, und der Schatten ist nicht der rote Schein; weder Schein noch Sein zur gleichen Zeit in der fastnächtlichen Parallelwelt, wo die Konturen zwischen innen und außen sich langsam auflösen. Da scheint jeder in seinem eigenen Hinterstübchen zu liegen, und kurz zuckst du zusammen und liegst außerhalb deines Körpers und siehst dich doch nicht; bis alles wieder in Unordnung ist, im Dickicht, in Watte, im Nebel, im Dunkeln

©thg

Dienstag, 10. November 2009

10111759-10112009



Der Mann auf diesem Bild feiert heut Geburtstag. Also, theoretisch würde er das tun, jedoch ist er schon 204 Jahre tot. Nach 20 Jahre Mauerfall nun also 250 Jahre Schiller - Jubiläen am laufenden Band. Genauso gut könnte man der Sesamstraße nämlich heute auch zum 40sten gratulieren, aber nee, deutsches Kulturgut muss gewürdigt werden. Außerdem kann ich zu diesem Anlass mal wieder etwas anbringen, was ich gestern ohnehin schon mal verschickt habe und immer wieder niedlich finde... aufdass ihr auch die Zungen brecht beim Versuch, es auszusprechen! Es ist für alle die, die wie ich im Deutschunterricht damals mit dem Auswendiglernen von Gedichten getriezt wurden - ich musste damals durch alle Strophen von "Die Kraniche des Ibykus", durch den "Taucher" und natürlich den allseits beliebten "Handschuh"... Na gut, wollen wir mal nicht leugnen, dass der Herr Schiller damit schon was hübsches geschaffen hat. So lang man's nicht im Deutschunterricht vor einem Drachen und einer kompletten Klasse aufsagen muss.
Weil Schiller aber wohl auch dialekt gesprochen hat (und zwar schwäbisch wie's böse!), gibts statt Torte und Kerzen von mir auch Dialekt-Schiller, allerdings auf sächsisch. Nicht direkt von Schiller, sondern noch mal mit einem Umweg über Lene Voigt, aber eigentlich fast ein bisschen schöner. (Und richtig (vor-)gelesen ist es sogar noch schöner als nur abgelesen... aber das bleibt euch erspart. ;-) )
(Tipp: "dr" spricht sich ähnlich wie "dor". Nicht, dass es in den Notaufnahmen des Landes heute noch unerklärliche Fälle von Zungenverknotung gibt.)

 

De Bärchschaft

Es war mal ä gans gemeener Dyrann,
där schnauzte bloß egal de Unterdan' an.
die musst'n sich schinden bei schbärlichen Habben
un dorften drzu rächt viel Schteiern berabben.
Da meente Härr Damon, ä Demograd:
"Jetzt, Brieder, basst uff: ich dreh' änne Dad!"
Un schon wärchtr nein in de Aktenmabbe
fimf Handgranaden, die warn nich von Babbe.
Druff schlichr sich hin bei dn beesen Dyrann
un brannte drzu 'ne Zigarre sich an.
(Das dorftr nich machen, die hatn verraten,
's war ähmd noch ä Neiling in Addendads-Daden.)
Nu wurde mei Damon mit großn Gebrill
vorn Härrscher geschleeft, un där fragt, wasr will.
"Ich wollte dich eechentlich greilich ermorden,
doch - wiede ja siehst - is nu nischt draus geworden."
Druff feixte rächt hehnisch dr beese Dyrann:
"De wolltest mich deeden? Nu gugge doch an!"
Da riefr de Gnächte, zwee rohe Ganallchen:
"Gommt här jetz un leiert dän Gärl nuff an Galchen!"
"Nu, musses dänn gleich sin? Das geht nich so schnäll",
schbrach Damon, dr Handgranadn-Rebäll.
"ärscht muss ich mal runter nach Wurzen, mei Bäster,
da heirat de Glara, von mir änne Schwäster.
Ihr Liebster is Garle, von dämse ä Sohn hat,
un nu isse schon widder im siemten Monat.
Ich schtäll ooch ä Bärchen, dn Baule aus Borne.
Dän gannste an meiner Schtatt murksen im Zorne."
"Na scheen", meente Dyonis, gondle nur zu,
mir isses gans worscht, bammelt Baul oder du."
(Dänn dass dr Damon gäm widder zurick,
das gloobte dr Härrscher nich een Oochenblick.)
Gaum war nu de Glara de Frau von ihrn Mann,
lief heeme Härr Damon so schnäll alsr gann.
Doch gurz vorm Ziele, da fängts an ze gießen,
als wollte de Ärde in Subbe zerfließen.
"Härrjeh", schrie där Arme, "soll ich dänn verdärm?
Das is ja abscheilich - da nitzt ooch gee Schärm."
Un weil ja ä Unglick gommt säldn alleene,
rutscht ooch noch de Bricke fort; das war gemeene.
Gee Gahn war zu sähn. Da rief Damon: "Verdimmich!"
Ich bin ja zwar wasserschei, awer jetz schwimm ich!"
Un glicklich erreichtr de andere Seite.
Da hubbt uffn zu änne grässliche Meite.
Von Reiwern un Märdern mit Schbießen un Schtang,
die wolln sich Härrn Damon zum Ahmbrod fang.
Där awer, nich faul, bocht se alle vorn Gobb
un flitzt dann drufflos in geschtreckdm Galobb.
Doch gaum isr zwanzich Minuten gerannt,
da gommt änne Dame, dodschick, elegant.
Die schmeißtn ä Blick zu, där gehtn dorchs Mark.
Jetz, Damon, sei dabfer! Jetz, Damon, sei schtark!
"Mir genn uns doch, Gleener", meent zärtlich de Sieße.
Schon zittern Härrn Damon de Gnie un de Fieße,
da dänktr an Baulchen un brillt: "Heite nich!"
De hibsche Gogotte zieht weiter ihrn Schdrich.
Un wilder dud Damon druff rasen un jagen.
Schon sihtr von Färne de Gärchdärme ragen,
da fiehltr: ähmd jetz wärd ergriffen dei Baul!
Un saust nachn Ziel wie ä wahnsinncher Gaul.
Verliert seine Laatschen, dn Schärm un de Brille.
doch's isn egal, geen Moment schtehdr schtille,
fliecht iwer ä Wärschtchenmann, stärzt durch 'ne Scheibe
Un landet vorm Galchen mit bibberndem Leibe.
"Hah", brilltr zum Hänker, "das gennt eich so bassn!
Gleich lässte mei Baulchen los! Mich mussde fassn!"
"Nanu", meent bedäbbert dr beese Dyrann,
"da gommt ja weeßgnebbchen där Esel noch an!"
Doch weil alle Leite so jubeln un Schrein,
da lädr die Beeden zum Dauerschkat ein
un flistert zum Scharfrichter: "Bis' ohne Sorchen,
mr hängse in aller Gemiedlichgeet morchen!"

(Lene Voigt)